Imperiales Wien neu entdeckt – ohne Schloss Schönbrunn

© Möbelmuseum Wien
Sie interessieren sich für die österreichische Monarchie und das imperiale Erbe des Landes? Das Schloss Schönbrunn und der zugehörige Schlosspark sind hier natürlich die erste Anlaufstelle, doch auch abseits der einstigen Sommerresidenz der Habsburger gibt es imperiales Erbe in Wien und Wien Umgebung zu erleben.
Erleben Sie wie die Habsburger gewohnt haben im Möbelmuseum, erfahren Sie mehr über das Leben der berühmten Kaiserin Elisabeth im Sisi Museum oder flanieren Sie im Glanz vergangener Zeiten in Schloss Hof, dem einstigen Landsitz und Jagdschloss von Prinz Eugen und dann auch Maria Theresias.
Möbelmuseum Wien
Das Möbelmuseum ist nicht nur ein Museum, sondern eine einzigartige Sammlung, ein Lager, eine Restaurierungswerkstätte und eine Bestandsverwaltung von fast 300 Jahren Möbelgeschichte. Die ältesten Stücke stammen aus der Zeit Maria Theresias, über Biedermeier und Wiener Moderne werden auch Möbel des 20. Und 21. Jahrhunderts gesammelt, gezeigt und verwaltet. Die Sammlung umfasst ca. 165.000 Objekte von denen nur ca. 6000 Stück im Museum ausgestellt sind.
Die Geschichte des Möbelmuseums
Zu Beginn die „Rumpelkammer der Monarchie“ entwickelte sich die Sammlung des Möbelmuseums über die Jahre zu einer angesehenen Ausstellung. Die Geschichte des Museums geht auf die Zeit Maria Theresias zurück, diese ernannte 1747 einen ersten Hofmobilieninspektor, der das Hofmobiliendepot verwalten und pflegen sollte. Auch der Transport der Möbel und die Innenausstattung der zahlreichen Wohnsitze der Monarchie gehörte zu seinen Aufgaben. Die Schlösser der Habsburger waren nicht ganzjährig bewohnt und daher auch nicht ganzjährig möbliert. Die benötigten Möbel mussten daher immer vor Ankunft der kaiserlichen Familie geliefert und aufgestellt werden und abseits ihrer Nutzung eingelagert werden, eine logistische Herausforderung! 1908 wurden die Aufgaben des Hofmobiliendepots um den Ankauf neuer Möbel erweitert.
Im Jahr 1901 wurde dann die Lagerung der Möbel in die Mariahilferstrasse verlegt. 1924 konnten dann BesucherInnen die ersten ausgestellten Möbel sehen bevor 1998 dann ein modernes Museum aus dem Hofmobiliendepot wurde, das heutige Möbelmuseum.

Die Sammlungen des Möbelmuseums
Das Möbelmuseum umfasst grob 5 Sammlungen, welche sich an den Epochen, aus welchen die Möbel stammen orientieren.
Die erste Sammlung aus der Zeit Maria Theresias beschäftigt sich mit Barock. Rokoko und Klassizismus. Die prunkvollen und reichverzierten Möbelstücke stammen aus dem Besitz der Habsburger, unter anderem Maria Theresia und auch Prinz Eugen. So kann man in dieser Sammlung Maria Theresias Schreibtisch oder Marie Antoinettes Sekretär bewundern. Hervorzuheben sind in dieser Sammlung auch die zahlreichen ostasiatischen Designs, die Maria Theresia besonders liebte.
Aus dem 19. Jahrhundert stammen die Möbel im Empire Stil, die zu Zeiten Napoleons in den Adelshäusern Europas beliebt war. Dieser Stil zeichnet sich durch pompöse Designs, die die Macht der BewohnerInnen repräsentieren soll, aus und nimmt Anleihen aus der griechischen und römischen Antike. Neben dem Empire Stil entwickelte sich ein schlichterer, wohnlicher Stil, bezeichnet als Biedermeier. Bieder war dieser Stil jedoch nicht, er zeichnete sich durch elegantes Design in gewagten Farben und edlen Hölzern aus. Im Möbelmuseum werden in den sogenannten „Biedermeierkojen“ ganze Zimmer in diesem Stil präsentiert.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. Entwickelte sich ein vom Prunk des Rokokos, Barock und Renaissance geprägter Stil des Historismus. Die Auswüchse dieser Stilrichtung können auch ins bizarre und düstere gehen, wie der ausgestellte mit Geweihmöbeln ausgestattete „Wappensaal“ zeigt.
Die letzte historische Möbelsammlung beschäftigt sich mit dem Design nach dem Ende der Monarchie. Hier gab nicht mehr Prunk den Ton an, sondern einfaches Design mit hoher Funktionalität und Bequemlichkeit. Besonders nach den Kriegsjahren lag der Fokus auf leistbaren, einfachen Designs aus neuen Werkstoffen. Die Sammlung zeigt auch einige aktuelle Beispiele des Möbeldesigns ab 2000.
Eine weitere Sammlung ist besonders für Fans der Sissi-Filme sehenswert. Denn das Möbelmuseum stellt auch Filmsets und Plakate, Programmhefte und vieles mehr mit Bezug zu den drei Filmen mit Romy Schneider, aus. Denn das Hofmobiliendepot stellte für die Drehs das Mobiliar zur Verfügung.

Besucherservices
Öffnungszeiten: Dienstag-Sonntag (& feiertags) 10:00-17:00
Preis: 18€ Erwachsene & 11€ Kinder (6-18 Jahre)
Adresse: Andreasgasse 7, 1070 Wien
Das Museum ist vollständig barrierefrei zugänglich. Es gibt an der Kassa Rollstühle zum Ausborgen, in der gesamten Ausstellung gibt es Sitzmöglichkeiten für BesucherInnen.
Assistenzhunde sind im Museum erlaubt. Bei Vorlage eines entsprechenden Ausweises erhalten Menschen mit besonderen Bedürfnissen den ermäßigten Eintrittspreis. Blinde und Personen im Rollstuhl, mit einem entsprechenden Vermerk in ihrem Ausweis, können eine Begleitperson kostenfrei ins Museum mitnehmen.
Im Museum gibt es ein gastronomisches Angebot durch die Wiener Eiswerkstatt. Neben dem namengebenden Eis werden hier auch Kaffeespezialitäten, kleine Speisen und erfrischende Getränke angeboten.
Ausstellungen & Führungen im Möbelmuseum
Neben der Dauerausstellung der verschiedenen Sammlungen gibt es oft auch Ausstellungen zu speziellen Themen. Hier stehen oft bestimmte Perioden im Detail oder besonders hervorzuhebende Designer und Designwerkstätten im Zentrum. So bekommen die BesucherInnen noch tiefere Einblicke in spezielle Aspekte des Möbeldesigns.
Es werden aber, meist sonntags, auch Führungen durch je nach Thema ausgewählte Bereiche der Dauerausstellung angeboten. So erfährt man noch mehr über die ausgestellten Exponate und kann den ExpertInnen Fragen stellen.
Für interessierte BesucherInnen, die mehr Informationen über die ausgestellten Möbelstücke haben möchten, aber keine Zeit zu den angebotenen Führungen haben, lohnt sich der kostenfreie Audioguide, um zusätzliche Informationen zu erhalten. Dieser ist in 9 Sprachen verfügbar und dauert ca. 70 Minuten für den allgemeinen Museumsrundgang und ca. 35 Minuten für die Ausstellung über die Sissi Filme.

Sisi Museum
Ein weiteres Highlight des imperialen Erbes in Wien ist das Sisi Museum, welches sich mit dem Leben, dem Vermächtnis und der Person der Kaiserin Elisabeth „Sisi“ beschäftigt. Das Museum ist in der Hofburg, der Winterresidenz der Habsburger, und bietet neben der Ausstellung über Sisi auch Zugang zu den Kaiserappartements. Hier kann die Wohnatmosphäre es einstigen Kaiserpaars Sisi und Franz Josef I. erlebt werden. Das Sisi Museum beschäftigt sich mit zahlreichen Aspekten der Kaiserin, es zeigt ihr Aufwachsen, Leben am Hof, ihre Reisen, ihre Rastlosigkeit und Flucht vom Hofalltag, ihren Schönheitskult und auch ihren Tod. Zahlreiche Exponate und Kunstwerke lassen die BesucherInnen ins Leben und Vermächtnis von Sisi eintauchen.

Schloss Hof
Außerhalb von Wien im Marchfeld gibt es einige Schlösser die als Landsitze der Habsburger dienten. Eines der schönsten ist Schloss Hof. Das Schloss war früher ein Hof und wurde in den 1620er Jahren von Prinz Eugen von Savoyen erworben und zu einem Landsitz aus und umgebaut. Damals entstand das Zusammenspiel aus Schloss, Gutshof und beeindruckender Gartenanlage, wie man es heute noch bewundern kann. 1755 kam die Anlage dann in den Besitz von Maria Theresia und das Schloss wurde, zu seinem heutigen Erscheinungsbild, umgebaut.
Im Schloss können BesucherInnen heute das Wohn- und Lebensgefühl des Adels des 18. Jahrhunderts erleben und vieles Wissenswertes über die einstigen BewohnerInnen erfahren.
Der Garten im französischen Stil erstreckt sich über 7 Terrassen und bietet ein einzigartiges Ensemble aus Pflanzen, Brunnen und Skulpturen. Der Gutshof des Schlosses diente einst der Versorgung des Schlosses. Heutige BesucherInnen können ebenfalls in die Funktionen des Hofs im 18. Jahrhundert eintauchen, denn die alte Bäckerei, Handwerksstätten und Ställe sind besuchbar. Zahlreiche Bauernhoftiere erwecken den Hof wahrlich zum Leben und Begeistern Groß und Klein.

Das imperiale Erbe der Habsburger ist in Wien an vielen Orten allgegenwärtig, von den Bauten der Ringstraße über Schlösser bis hin zu einigen Museen. Und das Erbe endet natürlich nicht an der Stadtgrenze, sondern zieht sich über viele Orte außerhalb der Stadt und auch in andere Länder. Die hier vorgestellten Attraktionen sind nur ein kleiner Ausschnitt der vielen Möglichkeiten für imperiale Erlebnisse auf Ihrem Wien Besuch. Das Möbelmuseum lässt Sie tief in die Wohngeschichte der Habsburger eintauchen, das Sisi Museum bringt Ihnen die einstige Kaiserin als Mensch näher und Schloss Hof lässt Sie durch einen beeindruckenden Garten wandeln und die Lebensweise des 18. Jh erleben.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß und viele interessante neue Eindrücke bei Ihrer Erkundung auf den Spuren der Habsburger!